Interview mit Josh Rosebrook

Lieber Josh, es besteht ein Zeitunterschied von acht Stunden zwischen Berlin und Los Angeles. Hier kommt gerade das Abendbrot auf den Tisch, und Du scheinst extrem früh aufzustehen.

Das stimmt, ich stehe zwischen sechs und halb sieben auf. Ziemlich sogleich beginne ich meine morgendliche Meditation. Ein bißchen hängt es davon ab, was sonst noch anliegt, aber generell meditiere ich jeden Morgen von einer halben bis zu einer dreiviertel Stunde lang. Diese Zeit nutze ich für mich, um mich zu konzentrieren, mich mit meiner spirituellen Seite in Verbindung zu bringen, sämtlichen Ballast abzuwerfen und mich auf meine Zielsetzung auszurichten. In der Meditation vergegenwärtige ich mir, was ich will, wo ich gerade stehe, wohin ich mich bewege und ob all dies noch meinen Plänen entspricht. Dabei geht es auch um das Annehmen der Umstände und darum, mich dadurch selbst in jenen Zustand erhöhter Durchlässigkeit zu versetzen, in dem ich für den Rest meines Tages verweilen will.

Das klingt ja toll. Auch sehr kalifornisch - im übrigen wohl ein Grund, weshalb unsere Kunden deine Pflegeprodukte so gerne mögen: sie kaufen sich in diese moderne Lebenshaltung ein. Mache sie doch bitte noch ein wenig mehr mit deinem Morgenritual vertraut - gibt es ein Frühstück?

Ganz genau.

Was gibt es? Vielleicht ja sogar eine kalifornische Spezialität, die in Deutschland noch unbekannt ist?

Das frage ich mich auch gerade - na ja, also der erste Gang meines Frühstücks besteht aus einem schönen Glas Wasser ohne Kohlensäure. Raumtemperatur. Mit einem Hauch Zitronen- und Grapefruitaroma. Und danach nehme ich üblicherweise einen Grünen Smoothie zu mir, den ich selbst zubereitet habe.

Josh Rosebrook at MDC Cosmetic

Einen Grünen Smoothie!

Genau. Er besteht aus Löwenzahn, Grünkohl, Spinat, Petersilie und Koriander - alles biodynamisch angebaut. Der Grüne Smoothie entgiftet meine Haut, er entgiftet meine Leber, und er entgiftet meinen gesamten Stoffwechsel. Ich füge lediglich etwas Zitronensaft hinzu und einen Schluck Apfelsaft, um meinen Würgereflex zu überlisten.

Klingt vernünftig - und köstlich!

Ist es auch. Ich nehme bis zu einem Liter des Grünen Smoothies zu mir. Pro Tag. Der Grüne Smoothie treibt mich an.

Kaffee trinkst Du keinen?

Ich trinke auch Kaffee. Ich mag biodynamisch angebaute Kaffeesorten, aber ich nehme immer nur einen kleinen zu mir. Ausschließlich vormittags.

Einen Espresso?

Genau, also wirklich nicht viel. Und üblicherweise nehme ich den zu mir, wenn ich meinen ersten Grünen Smoothie getrunken habe. Währenddessen lese ich die relevante EMail. Dazu passt der Espresso. Vor ein paar Jahren war ich fanatischer. Da hielt ich es für sehr wichtig, auf vieles total und absolut verzichten zu können. Das hat aber nie richtig hingehauen. Außerdem ist es auch unötig. Ab und an schadet Rotwein eben gar nicht. Mittlerweile glaube ich eher ans Maßhalten als an den Verzicht.

Wo du von deinen Jugendjahren sprichst: es zirkulieren ja allerhand Anekdoten über dich und diese Jahre in Portland - angeblich sollst du bereits mit zehn den Nachbarskindern Frisuren geschnitten haben. Aber wann fing das bei dir an, daß du dich für gesunde Lebensführung und dein Maßhalten entschließen konntest?

Das ging so richtig los, als ich die Achte Klasse besuchte. Da fing ich mit dem Hinterfragen an - was wir wußten, was uns beigebracht worden war. Ich stellte beinahe alles in Frage und las viel zu übernatürlichen Phänomenen. Das regte meine Phantasie an. Ich konnte fühlen, wie ich selbstständig zu denken begann. Ich machte mir eigene Gedanken. Dann stellte ich meine Ernährung um. Ich las viel über den Zusammenhang von Körper und Bewußtsein, meditierte und dabei wurde mir klar, daß die Sohaftigkeit der Dingwelt von mir eben nicht als unverrückbar und vorgegeben akzeptiert werden mußte. Daß eben gar nichts so ist wie es war. Ich erkannte wer ich werden würde. Und diese Erkenntnis hatte erneut einen tiefgreifenden Einfluß auf meine Ernährungsgewohnheiten. Ich las sehr viel und dachte noch mehr nach. Ich interessierte mich für Ernährungswissenschaften und fand einen Zusammenhang heraus zwischen einer Ernährung, die auf einer gesunden Pflanzenkost aufbaute und ihren Auswirkungen auf meinen Körper und meinen Geist. Denn alles, was mir bis dahin als gesund beigebracht worden war, schien nur zur Hälfte wahr - zumindest aber unvollständig. Ich bin dann zum Vegetarier geworden und eine Weile ging es mir damit auch gut. Dann verschärfte ich meine Diät noch weiter und nahm auch von den Gemüsen nichts mehr zu mir, das abgepackt oder mit Zusätzen versehen war. Diese Bereinigung meiner Ernährungsgewohnheiten machte sich in einem Mehr an Energie, an Lebensfreude und letztlich auch in einem verbesserten Hautbild und schönerem Haar bemerkbar. Aber als ich dann auf die Berufsschule für Haare und Kosmetik ging, merkte ich, daß diese ganze Industrie ebenfalls auf einem Fundament obskurer Chemikalien und irren Zusätzen operierte, weswegen im Endeffekt keiner unserer Lehrer, folglich auch keiner meiner Klassenkameraden verständlich machen konnte, welches dieser Pflegemittel und Produkte wir warum und wozu verwendeten. Beziehungsweise: Was diese Chemikaliencocktails eigentlich so machten mit den Haaren und auf der Haut. Im Unterricht hieß es dann: Dieses Produkt ist toll, weil es Glanz verleiht. Und es duftet so schön! Ja ja. Aber niemand konnte uns erklären, woraus diese chemischen Zusätze bestanden, oder weshalb man sie in die Produkte mischen mußte. Viele dieser Zusätze sind ja rein synthetischer Herkunft und nicht allein deswegen auch fragwürdig. Die wurden nicht etwa deshalb erfunden, um Haar oder Haut Gutes zu tun, sondern um die Produkte profitabler zu machen und das Haltbarkeitsdatum zu verlängern. Damals fing ich mit meinen Forschungen auf eigene Faust an. Ich probierte alle möglichen Zusammenstellungen natürlicher Stoffe aus hinsichtlich ihrer Wirksamkeit auf Haare oder Haut. Wie schon bei meiner Ernährungsumstellung befand ich auch bei meiner selbstangerührten Naturkosmetik die einfachsten Rezepte am wirkungsvollsten. Das Wohlbefinden, das Pflanzenteile und Kräuter dem Geist wie auch dem Körper verleihen, ist durch nichts zu ersetzen.

Alle Produkte der Josh Rosebrook Serie sind nicht nur Koscher, sondern sogar 100% Vegan zertifiziert. Wie hältst du diesen hohen Standard ein? Wie schaffst du es, deine Lieferanten zu kontrollieren?

In meinem Active Enzyme Exfoliator steckt Honig. Der stammt zwar aus einem kontrolliert biodynamischen Betrieb, trotzdem gilt Honig eben nicht als vegan. Und obwohl ich streng darauf achte, daß sämtliche Zutaten meiner Pflegeserie entweder biodynamisch angebaut oder wild gesammelt werden, tragen nicht sämtliche der Zutaten ein entsprechendes Zertifikat. Aber meine Produkte enthalten keinerlei Giftstoffe und das kann ich auch jederzeit nachweisen, denn wir senden regelmäßig Proben aus der laufenden Produktion an ein Labor für Lebensmittelchemie. Wenn nur eine einzige Zutat eines meiner Produkte noch Rückstände von Umweltgiften enthielte, würde das ganze Produkt vergiftet sein. Jedenfalls nach meiner strengen Definition. Ich kann also von mir aus keine geringeren Qualitätsmaßstäbe anlegen als 100%. Es hat lange gedauert und ist noch immer ein andauernder Kampf, Lieferanten zu finden, die mir Zutaten in solcher Reinheit und von dieser Güte verkaufen können. Eins kann ich verraten: sie sind äußerst selten geworden. Und alles weitere muß mein Geschäftsgeheimnis bleiben dürfen. Ich arbeite auf langfristiger Basis mit den immerselben Zulieferern zusammen, da ist ein Vertrauensverhältnis entstanden, das sich familiär anfühlen soll. Hinzu kommt das Konzept meiner Firma, die immerhin meinen Namen als Markenzeichen trägt: Mir geht es um Ehrwürdigkeit und Verantwortungsbereitschaft und Glaubwürdigkeit, weil ich fühlen kann, daß sich diese Einstellung auch auf meine Kunden überträgt. Ich finde es sehr spannend, mit meiner Firma einen Wandel eingeleitet zu haben, der weg führt vom engstirnigen Profitstreben, hin zu einer wirtschaftsethischen Gesinnung, die ich "Geschäftemachen mit Gewissen" nennen will. Dabei geht es zunächst um die Menschheit, um unsere Lebensbedingungen und dann erst ums Geld. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit, weil ich schon immer etwas Positives machen wollte, ich wollte für andere da sein, ihnen etwas abgeben von meiner Energie. Dazu dienen mittlerweile auch meine Pflegeprodukte. Und ich bin mir sicher, daß meine Kunden das auch spüren können. Beziehungsweise, daß die Kunden es mittlerweile spüren können, ob es jemand ehrlich mit ihnen meint. Ich will, daß meine Kunden mir vertrauen dürfen.

Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen eine Gesichtsmaske aus Kakao auszuprobieren?

Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Superfoodzutaten, mit denen ich meine Ernährung bereichern kann. Und vor ein paar Jahren hatte ich eine Kakaophase. Ich wußte bereits, daß Kakao große Mengen von Antioxidantien enthält, sogenannte Flavenole. Mir fiel dann auf, daß ich durch regelmäßige Einnahme des Stoffes eine strahlendere Haut bekommen hatte. Ich recherchierte und fand heraus, daß Kakao die Durchblutung anregt, also war ich auf dem rechten Weg.

Kann das auch am generell gehobenen Glücksgefühl gelegen haben - aufgrund eben dieser Einnahme des Kakaos?

Ja genau. Ich hatte den Kakao trinkenderweise zu mir genommen. Generell interessiere ich mich für die Kleinigkeiten und vermeintlich Nebensächliches - darin besteht auch einer der Gründe, weshalb ich ein ausgezeichneter Friseur bin. Die Verbesserungen meines Hautbildes konnte ich genau erkennen. Also habe ich mich in die Zusammensetzung des Kakaos vertieft und herausgefunden, daß seine Inhaltsstoffe ebenso gut für eine äußerliche Anwendung geeignet sein müßten. Damals gab es nirgendwo eine Kakaogesichtsmaske zu kaufen, also habe ich mir meine eigene angemischt. Ich habe die Rohmasse mit einigen weiteren Zutaten, mit Ölen und Kräuterauszügen verbunden und nachdem ich den Prototypen der Maske zum ersten Mal aufgetragen hatte, behielt ich eine derart straffe und strahlende Gesichtshaut zurück, daß ich von meinen Freunden gefragt wurde, welches Produkt ich neuerdings vor ihnen geheimhielte. Es gab dann eine gewisse Nachfrage in meinem Freundeskreis nach dieser Maske und meine Kosmetikproduktion ist eigentlich nur aus dieser Situation heraus erwachsen. Ich habe dann bald auch Gesichtspeelings und Feuchtigkeitsseren hergestellt, nebenbei die Grundlagen der Aromatherapie erlernt, um noch kunstfertiger zu werden im Anfertigen der Elixiere.

Ich habe neulich eine Fingerspitze von der Anti-Oxidant Cacao Mask zu mir genommen - sie riecht nicht nur köstlich, sie ließe sich auch als Brotaufstrich essen.

Absolut! Und das sollte bei allen Produkten, die man sich ins Gesicht oder auf den Körper schmiert, der Fall sein. Es gibt absolut keinen Grund, weshalb der Verzehr von Kosmetika gesundheitsschädlich sein dürfte. Warum sollte man auf die Haut eine Substanz auftragen dürfen, deren chemische Bestandteile den Verdauungstrakt beschädigen könnten? Es gibt keine logische Erklärung, weshalb die Haut wenige empfindlich reagieren sollte als das Innenleben des Körpers. Der chemiefreundliche Ansatz der Kosmetikindustrie dient einzig dazu, die Herstellungskosten so gering wie möglich zu halten - um die Profite maximal ausschöpfen zu können. Chemische Zusätze sind aber lediglich Ersatzstoffe, die das Naturvorbild in Sachen Wirksamkeit niemals erreichen können. Reine, biodynamisch erzeugte Naturwirkstoffe sind eben leider nicht nur unvergleichlich wirksam, sondern auch verderblich. Sie reagieren extrem empfindlich auf Sonnenlicht und Temperaturschwankungen. Das macht es nicht leicht, damit qualitätskonstante Kosmetika herzustellen. Profitabel wird es kaum - weswegen ich die Arbeit mit Naturwirkstoffen so sehr schätze. Sie entsteht aus der Überzeugung heraus. Ein aus Naturwirkstoffen hergestelltes Produkt ist unbestechlich, da läßt sich nichts beschönigen oder pfuschen und wenn es dann auch noch seine Wirkung tut auf unvergleichliche Weise, fühlt sich der Erfolg einfach besonders schön an.

Josh-facebook.jpg

Gibt es Pläne für ein neues Produkt, oder eine Erweiterung Deiner Josh Rosebrook Skin & Hair Care-Serie?

Es gibt spannende Neuheiten! Derzeit bin ich wieder viel im Laboratorium, das macht mir am meisten Spaß - gleich nach dem Frisieren und Haareschneiden. Für mich gibt es noch immer viel Neues zu erfahren aus der Lehre von den Naturwirkstoffen, das läßt mich wohl nie wieder los! Ich werde ein ewig Lernender bleiben. Nach jahrelanger Entwicklungszeit hat es nun meine Nutrient Day Cream mit Sonnenschutzfaktor 30 ohne Zinkoxidpartikel zur Marktreife gebracht. Eine extrem wirksame, dabei dünnflüssige Feuchtigkeitscreme für den alltäglichen Gebrauch, die mühelos in die Gesichtshaut einzieht, ohne ein klebriges Gefühl zu hinterlassen. Die Rezeptur besteht in einer Kombination aus entzündungshemmenden Kräuterauszügen und Antioxidantien, die das Hautbild sowohl beruhigen, als auch die körpereigene Kollagenproduktion anzukurbeln helfen. Die Verbindung dieser Eigenschaften ist einmalig, ich könnte stundenlang von ihren Vorzügen schwärmen. Am Ende des Monats werden wir die Creme in Holland und London der Öffentlichkeit vorstellen. Später im Jahr, im Sommer bringe ich mein Active Eye Oil heraus. Wiederum eine ziemlich ungewöhnliche Rezeptur: Im Bereich um die Augen gibt es nicht nur weniger Poren als in den übrigen Regionen des Gesichts, die Poren sind zudem auch feiner - zugleich ist die äußere Hautschicht dort auch noch besonders dünn. Die Wirkstoffe müssen von ihrer molekularen Gestalt her also so klein wie nur irgend möglich beschaffen sein, außerdem muß das Augenöl so dünnflüssig wie möglich gemischt werden, um eine größtmögliche Menge der Wirkstoffe an die Zielorte gelangen zu lassen, um die Haut im Augenbereich geschmeidig und strahlend erscheinen zu lassen. An dieser komplexen Aufgabenstellung habe ich mich jahrelang abgearbeitet. Für mich ist es von daher doppelt schön, nun zu sehen, wie großartig sich dieses Produkt entwickelt hat. Ich bin überglücklich damit! Derzeit lege ich letzte Hand an eine Emulsion für die Kopfhaut. Viele meiner Kunden im Salon haben ein solches Produkt nötig, das die Kopfhaut mit Nährstoffen versorgt und dabei noch die Durchblutung fördert, um das Haarwachstum anzuregen. Ich kann jetzt schon sagen, daß es mir gelungen ist, ein rein pflanzliches Präparat herzustellen, das den Haarwuchs belebt und die Kopfhaut verjüngt. Dazu forsche ich an der idealen Formel für einen Haarspray, der die Fülle verstärkt und das Haar kräftiger wirken läßt. Ich habe den Prototypen an einigen meiner Kunden ausprobiert und die betteln seither darum, daß ich den Spray endlich zum Verkauf freigebe. Aber soweit bin ich noch nicht. Da gibt es noch einiges zu verbessern - ich arbeite daran. Es wird auch eine Hair Protein Mask geben und eine Hair Moisture Mask. Beides sind Knüllermasken! Ich habe ein entzündungshemmendes Serum erfunden, ich arbeite an einer Feuchtigkeitsmaske für das Gesicht und entsprechend an einer Entgiftungsmaske. Alles unglaubliche Produkte, dafür stehe ich mit meinem Namen. Ich war echt ziemlich fleißig, aber bei mir kommt alles von Herzen!

zu den Produkten von Josh bei uns im Onlineshop …hier

Interview : MDC Foto : Josh Rosebrook